Montag, 14. März 2016

"LODERNDE WEISHEIT" KAPITEL 5








DIE KAPITEL 1 - 4 SIND AUF DIESEM BLOG NOCH NACHZULESEN!


KAPITEL 5

Einige Tage meldete sich Xaver weder bei Alexa, noch bei Miriam.
Er hatte zu tun und überdies war er nicht gewillt, Alexa zu vergeben, dass sie diese "bewusste Nacht" nicht mit ihm verbracht hatte und wollte ihr ganz wissentlich seine Verärgerung zeigen.
Sollte sie doch in ihrem eigenen Saft schmoren! grollte er.
Er wusste ganz genau, dass er ihr nicht so gleichgültig war, wie sie  vorgab. 
Außerdem waren die letzten Tage ziemlich hektisch gewesen, und er war total mit seinem Berufsalltag beschäftigt, mit all dem Stress und der Konkurrenz, die es zu besiegen galt.
Verdammt noch mal! Die Jungen waren gut! Sie waren hungrig nach Erfolg! So wie er es vor einigen Jahren noch gewesen war.
Er musste sich immer mehr zusammenreißen, um jeden Tag der Beste zu sein. Kämpfen, wenn er nicht allmählich aber sicher am Ende der Mitbewerber-Warteschlange, hinter seinen jüngeren Kontrahenten landen wollte, deren Ziel ebenfalls der größte der großen Werbe-Etats war.
Nein! war er entschlossen.
Er würde dabei sein.
Er würde ganz vorne an der Spitze stehen und sich nicht durch Weibergeschichten ablenken lassen.

Aber bei aller Vernunft, gab er zu, so ganz konnte er die Begegnung mit Miriam doch nicht vergessen.
Also griff er eines Nachmittags zu seinem Filofax, die Hände schlugen beinahe automatisch die Seite auf, auf der er Miriams Nummer notiert hatte.
Und dann klingelte das Telefon auch schon.
Miriam war so schnell am Apparat, als wenn sie das Smartphone in der Hand gehalten und auf seinen Anruf gewartet hätte.
In seiner Verblüffung schwieg er einen Herzschlag lang in das Mobiltelefon, bevor er Stimme und alte Sicherheit wiederfand.
"Wie geht's?" meldete er sich leise.
Nicht mehr, nicht weniger.
Mehr war aber auch nicht nötig, denn Miriam wusste sofort, wer am anderen Ende gespannt auf ihre Reaktion lauschte.
"Danke, gut? Und Dir?"
Xaver hatte sich zuvor geschworen, dass er sofort auflegen würde, wenn sie seine Stimme nicht erkennen sollte.
Wenn doch, war es klar, dass er sie ebenso beeindruckt hatte, wie sie ihn; dass sie ihn ebenso wenig vergessen konnte, wie er sie.
 "Hast Du Lust, mit mir heute Abend essen zu gehen?"
Miriam zögerte einen ganz winzigen Moment, bevor sie zusagte. Denn eigentlich hatte sie den heutigen Abend bereits verplant.
Als sie auflegte, klopfte ihr Herz wild, und sie musste ein wenig über sich selbst lachen.
So aufgeregt wie heute, war sie nur bei ihrem allerersten Rendezvous gewesen. Seither nie wieder!
Sie blickte auf die Uhr.
Wie viel Zeit blieb ihr noch?
Und vor allem, was sollte sie anziehen?
Sie zerrte ein Kleidungsstück nach dem anderen aus dem Kasten und war nur allzu schnell mit der Auswahl zu Ende.
Sie hatte sich das ganze vergangene Jahr so gut wie nichts Neues  geleistet, da schicke Sachen einfach nicht in ihrem Budget enthalten waren.
Tja! Jetzt musste sie mit dieser Tatsache irgendwie zu Rande kommen.
Schließlich entschloss sie sich zu einem blauen Kleid aus indischer Seide, dessen Stoff sich bei jeder Bewegung eng an ihren Körper schmiegte und  zeigte, wie gut gebaut sie war.
Sie schminkte sich länger als üblich. Betonte ihre Augen mit einem blauen Kajalstift und tuschte die Wimpern besonders sorgfältig.
Ihre Haut war jung und schön genug, dass sie kein Make-up benötigte und auf ihre vollen Lippen trug sie nur einen Hauch Lipp-gloss auf.
Sie betrachtete ihr Werk zufrieden.
Zupfte das Haar noch zu einer wilden Lockenmähne auf und entschloss sich, ein bunt besticktes, rundes Käppchen aufzusetzen, das ihr endgültig, etwas ausgesprochen orientalisch Geheimnisvolles verlieh.
Zufrieden betrachtete sie sich nochmals im Spiegel; sie hatte das Bestmögliche aus dem ihr zur Verfügung Stehendem gemacht.
Dann nahm sie ihr altes, schwarzes Cape vom Hacken, warf es über die Schultern, verbarg darunter die seidige Pracht und lachte übermütig.
Sie war schließlich eine Künstlerin.
Waren Künstlerinnen nicht beinahe verpflichtet, ein etwas exzentrisches Image zu kreieren, sich dementsprechend außergewöhnlich zu kleiden und zu benehmen?
"Das kann er haben, der eingebildete Kerl", teilte sie ihrem Spiegelbild mit.
Denn ein wenig ärgerte es sie schon, dass er es anscheinend als gegeben und selbstverständlich ansah, dass sie erstens seine Stimme erkannte und zweitens heute Abend Zeit für ihn hatte.
"Das zahle ich Dir zurück", brummelte sie vor sich hin.
Rannte dabei eilig durch den Garten, auf dem mit Steinen ausgelegten Pfad.
Sie wollte auf keinen Fall zu spät kommen.


Xaver war einige Minuten vor der vereinbarten Zeit in dem erst halbvollen Lokal angekommen, und wählte einen Tisch, der versteckt im hinteren Teil desselben lag.
Es war ein kleines gemütliches Restaurant, das für seine besonders guten Spaghetti bekannt war.
Außerdem war es gerade im Begriffe, von der Schicki-Micki-Society entdeckt zu werden, und so hatte er sich schnell dafür entschieden.
Es konnte nicht schaden, hier gesehen zu werden.
Noch dazu mit so einer attraktiven Begleiterin.
Der Ober, dem er kein Unbekannter war, da er hier, vor Kurzem einige Abende mit Alexa verbracht hatte, zündete eine Kerze an. Das beschied dem abgeschirmten Platz noch mehr Intimität, als er ohnedies schon besaß.
Xaver bestellte sich einen Whiskey, um etwas lockerer zu werden, wie er zu sich selbst sagte.
Seine Finger trommelten nervös auf dem weißen Tischtuch, bis sie sich endlich um das kühle, gut in seiner Hand liegende Glas mit Alkohol schmiegen konnten.
Er zündete sich eine Zigarette an, um sie gleich wieder auszudämpfen, da er zum wiederholten Male feststellte, dass er schlicht und einfach zu viel rauchte.
Eine Hand berührte ihn ganz leicht an der Schulter, und er blickte überrascht auf.
Miriam war ganz leise an ihn herangetreten, und er hatte ihr Kommen vor Nervosität nicht bemerkt.
Zart und klein, ganz in Schwarz gehüllt, stand sie vor ihm und sah so unsicher und  zerbrechlich aus, dass es beinahe schmerzte.
Er sprang auf, ergriff die Hand, die sie ihm reichte und zog die ganze, kleine, zierliche Person  an sich.
Küsste sie vorsichtig auf beide Wangen.
Miriam, dadurch überrascht, verlor das Gleichgewicht und sank ihm praktisch in die Arme.
Da konnte er nicht anders.
Er musste sie küssen - und ihre Lippen fanden sich wie selbstverständlich und unglaublich vertraut.
Miriam war es, die sich von ihm befreite und lächelnd versuchte, ihr von der Begrüßung verschobenes Käppchen, wieder zurechtzurücken.
"Bist Du immer so stürmisch?" meinte sie ein wenig atemlos.
Versuchte, ihre Verwirrung hinter betont burschikosem Auftreten zu verstecken.
"Lass doch die Sprüche. Dich hat es doch genauso erwischt wie mich. Oder nicht?" antwortete Xaver mit für ihn selbst unerwarteter Ehrlichkeit.
Diese Tatsache war ihm übrigens erst zu Bewusstsein gekommen, als er sie laut aussprach.
Er nahm Miriam das Cape ab, legte es über einen freien Stuhl neben sich. Rückte ihr dann den anderen Sessel zurecht und war selbst über seine Sorgfalt und Höflichkeit erstaunt. Alexa hatte ihn nämlich schon einige Male wegen seiner "laxen Manieren" gerügt, wie sie es auszudrücken pflegte.
"Du siehst toll aus", fügte er noch bewundernd hinzu.
Das Kerzenlicht trug das Seine dazu bei, Miriam in beinahe unwirklicher Schönheit zu zeigen.
Das flackernde Licht zauberte schillernde Funken auf ihr blaues Seidenkleid und verlieh ihrem Gesicht eine außergewöhnliche Weichheit und Makellosigkeit.
"Du riechst auch sehr gut", beugte er sich zu ihr vor. Vergrub seine Nase in ihrem Haar, was sie mit einer zärtlichen Berührung seines Gesichtes belohnte.
Dieser schöne Moment wurde vom Ober unterbrochen, der nicht einsah, warum er noch länger auf die Bestellung dieser beiden Turteltäubchen warten sollte.
Er war schon so lange in diesem Gewerbe, dass er wusste, die Beiden wären imstande, auf ein Abendessen zu verzichten, um sich gleich irgendwohin zurückzuziehen.
Nicht nur einmal war ihm das passiert, und so hatte er gelernt, sich mit einer gewissen Härte in das Bewusstsein verliebter Menschen zu drängen.
"Was darf ich zu trinken bringen?“
Und:
„Wie wäre es mit unserer heutigen Tagesspezialität?"
Miriam und Xaver nickten unisono und hielten sich verliebt an den Händen.
Es wurde ein schöner Abend, an dem sie sich so viel zu erzählen hatten. Die Worte überstürzten sich, sie bekamen gar nicht genug von all den kleinen Geschichten, die sie sich erzählten, die ihnen im Laufe ihres Lebens passiert waren. Sie verstanden sich ganz ausgezeichnet und wussten beide, dass sie heute nicht allein nach Hause gehen wollten.
Der Rotwein trug das Seine zur sehr entspannten Stimmung bei.
Schließlich saßen sie Seite an Seite, die Körper so eng als möglich aneinander gedrängt.
Ihre Lippen fanden sich immer öfter und länger.
Die Hände verschwanden unter dem Tisch.
Streichelten sich zuerst zärtlich, wurden dann immer dreister und fordernder mit ihren Berührungen, bis schließlich seine Hand zwischen ihren Beinen ruhte und diese mit sanft drängenden Bewegungen auseinander zwang.
"Willst Du?" murmelte er leise. Ihre Lippen für einen Augenblick freigebend, den schmeichelnden Druck seiner Finger dabei jedoch verstärkend.
"Ja...ja", flüsterte Miriam beinahe unhörbar zurück.
"Aber - nicht hier!“
„Lass uns gehen", schob sie ihn plötzlich ganz heftig und überraschend weg. Atmete tief durch, zog den Rock ihres Kleides, der hoch gerutscht war, zu Recht. Fischte aus ihrer Tasche eine kleine Puderdose und öffnete sie.
Blitzende, erregte Augen strahlten sie an.
Ein schon jetzt ein wenig wund geküsster Mund benötigte dringend frischen Glanz, und sie beeilte sich, diesen neu aufzulegen.
Der Ober, der sich zurückgezogen hatte, räumte den Tisch ab und vermied es, die Beiden anzusehen.
Er konnte es nicht leiden, wenn sich die Menschen in seinem Lokal so benahmen.
Er vermisste die guten Manieren, die es früher gelegentlich sogar zu einer Freude hatten werden lassen, jemand zu bedienen.
Beinahe hätten sie es unter dem Tisch tatsächlich getrieben! stellte er empört fest. Und er erlaubte sich sogar einen andeutungsweise missbilligenden Blick.
Xaver strich sich über das verstrubbelte Haar.
"Die Rechnung bitte!" verlangte er mit arroganter Stimme.
Was kümmerte ihn ein indignierter Ober!
Er war der Gast!
Er war jetzt auf der anderen Seite.
Achtlos bezahlte er, gab ein viel zu großes Trinkgeld und nahm Miriam an der Hand. Zog sie förmlich durch das Lokal, ohne sich umzusehen.
Wenn er es getan hätte, hätte er eine nicht erfreuliche Entdeckung gemacht.

Alexa Andres hatte schon vor geraumer Weile das Lokal betreten und Xaver und Miriam in der verschwiegenen Ecke entdeckt.
Zuerst war sie freudig erschrocken, als sie nur Xaver erkannte.
Dann hatte sie zu ihrem Missfallen festgestellt, dass er in Begleitung war, und überdies  - ziemlich „beschäftigt schien“.
War ihre erste Reaktion gewesen, aufzustehen und zu gehen, so zwang sie sich zuletzt zu einem unbeteiligten Gesicht, als der Ober, der sie und Xaver in den vergangenen Wochen bedient hatte, die Bestellung aufnehmen wollte.
Anscheinend hatte er nicht vergessen, dass Alexa mit Xaver vor nicht all zu langer Zeit in derselben verschwiegenen Ecke gesessen hatte.
Wie peinlich! dachte Alexa. Und ihre Stirn runzelte sich verärgert.
Die Höflichkeit hätte es geboten, dass Alexa die Beiden nicht beobachtete. 
Aber, verdammt noch Mal!
Höflichkeit war fehl am Platz, wenn der „Beinahe-Freund“ mit der „Beinahe-hätte-ich-sie-ausgestellt-Künstlerin“ zusammen saß und sie küsste.
Nicht nur küsste!
Alexa wusste genau, was seine Hände unter dem Tisch taten.
Zuerst verspürte sie nur Eifersucht, aber dann jagte ein kleiner Schauder der Lust ihren Körper hoch.
Ein Schauder, der ihren Leib köstlich erwärmte und durchpulste.
Sieh an! dachte sie. Lächelte sogar ein wenig amüsiert.
Sie war also doch noch nicht ganz aus Stein und gar nicht so uninteressiert an Sex, wie sie sich immer einredete.
Ihre Augen beobachteten zuerst verstohlen, dann immer offensichtlicher und interessiert, wie sich die Beiden da drüben langsam aber sicher in den Himmel der schönsten Gefühle trieben.
Alexas Brustwarzen versteiften sich, und sie versuchte unauffällig ihren BH so zu verschieben, dass dessen Naht nicht weiter schmerzend und zugleich erregend an ihren Nippeln rieb.
Erschrocken hielt sie sich die Speisekarte vor das Gesicht, als das verliebte Pärchen ziemlich abrupt seine Spielchen unterbrachen, und Xaver mit Miriam an der Hand, zum Greifen nahe an Alexa vorbeiging, ohne sie zu bemerken.
Sie blickte ihnen nach.
Wusste, was heute Nacht zwischen den Beiden geschehen würde.
War sich nicht klar, ob sie der Gedanke daran mehr erregte, als die Gewissheit, dass sie Xaver morgen anrufen würde, um dasselbe mit ihm zu tun.
Sie würde ihn nicht kampflos aufgeben.
Noch hatte sie nicht verloren.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen